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Registriert im Café 01-14
Schlaflos im Knast 02-19 Kaffeemaschine mit Delle 03-28 Ja oder Yes? 04-37 Mit 5 Gramm Exit 05-48
Lob oder Kritik: jenachdem 06-61 Stäubchen gross wie Kieselsteine 07-72 Üben mit Ehering 08-84 Testament Online 09-95 Die Kupplung 10-114 Haarsträubend 11-120 Warten Als Gott 12-134 Französisch? Vortreten! 13-141 Bauchnabelitis ist … 14-149 Zum Italiener 15-174 Aufwärmen ist wichtig 16-189 Eingemachtes Hirn 17-209 Bäuchlings spazieren Die Sonnenuhr (oder eine Wurzelbehandlung) ZickZack Exodus 20-239 Ich sagte Nein N/A N/A N/A N/A N/A N/A N/A N/A N/A
 
Registriert im Café 01-14

 

Zu Hause hatte Hannes die Email der Buchhandlung ausgedruckt, das bestellte Buch wäre zur Abholung bereit, mit Nummer, Name, Preis, Wo und Was. Hannes hatte das das Buch online bestellt, für eine Freundin die viel jünger war als er, eine die sich freuen würde an diesem Buch. Hannes hatte ihr das Buch gezeigt beim letzten Treffen, sogar etwas vorgelesen daraus, auch gleich ins Deutsche übersetzt aus dem amerikanischen Text. Sie kannte die Geschichte, sie hatte den Film gesehen, sie konnte sich erinnern, Hannes las vor und übersetzte, sie hörte zu, dann musste sie wieder nach Hause oder zur Arbeit, oder sonst irgendwohin.
Hannes hatte inzwischen das Buch in der Hand, gleiches Titelbild, „Roman“ steht darunter, bei der englischen Ausgabe steht „A Novel“, Hannes war auch Amerikaner, er las einige „Novels“ die andere als „Romane“ gelesen hatte, er auch, früher, als noch in der Schweiz lebte. Jetzt war Hannes wieder in der Schweiz, sogar in Zürich, in dieser Buchhandlung mit Café, Hannes wollte das neue Buch gleich hier registrieren, online, wie er das schon immer in Amerika gemacht hatte, in Buchhandlungen, in Cafés, sogar im Auto oder in der Bibliothek, und jetzt in Zürich.
Jetzt wurde es laut, sehr laut sogar. Vier junge Leute kamen ins Café, ohne Bücher, ohne erkennbare Absicht, vielleicht nur um sich nach der Schule zu treffen und zu plaudern. Sie unterhielten sich schreiend, ein junger Mann mit drei jungen Frauen. Der Junge schrie seine Bemerkungen, die Mädchen  wieherten dazu, wie Betrunkene. Trotzdem gelang es Hannes, die Registration Nummer ins Buch einzutragen, alles in die Tragtasche zu verstauen, und das  Buchhandlung-Café ohne weitere Zwischenfälle zu verlassen.
Hannes dachte an seine Zeit in Amerika, an die Ruhe in den Bibliotheken oder den Cafés, an die Meetings mit Bücherfreunden, und an den Tweet einer Schriftstellerin die in Zürich wohnt, sie schrieb am 21. Juli 2010 um 6:25 p.m.: "erst bohren, jetzt kärcher sandstrahler, dazwischen sirene, bagger, gleisarbeiten, kannst du nicht einfach mal die fresse halten, welt?".
PS: http://www.bookcrossing.com/journal/8106452/
http://www.flickr.com/photos/yes2art/4776971439/
In der lauten Buchhandlung
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Foto 9. Juli  2010  um  17:19 Uhr  in  Zürich
Die grundsätzlichste Frage zum Schluss: Was bedeutet Ihnen das Schreiben?
Meine Mutter Marlis Pörtner ist 76 Jahre alt und schreibt Fachbücher. Einmal war sie an einem meiner Schreibkurse. Da müssen sich am Anfang alle kurz vorstellen und sagen, weshalb sie schreiben möchten. Und da sagte meine Mutter den schönen Satz: «Wenn ich schreibe, bin ich am meisten ich selbst.» Ich hätte das selber nicht so formuliert, aber als sie das sagte, wusste ich genau: Ja, das ist es.

www.milenamoser.com
MILENA MOSER
JEDE WOCHE NEU
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08/06/2010